Schlagwort-Archive: Urheberrecht

7. Urheberrechtskonferenz in Berlin

Mit einem Lied, eindrucksvoll vorgetragen von der international erfolgreichen beninisch-französischen Singer-Songwriterin Angélique Kidjo und Vize-Präsidentin der International Confederation of Societies of Authors and Composers (CISAC), des weltweit führenden Netzwerks von Autorengesellschaften, startete die 7. Urheberrechtskonferenz der Initiative Urheberrecht an diesem Montag in der Akademie der Künste am Pariser Platz. In ihrer der Musik folgenden Keynote forderte sie die Politik auf, „die Rechte von Künstlern zu schützen. Denn eine Gesellschaft ohne Kultur, Musik oder Kunst ist keine Gesellschaft“. Und den über 300 anwesenden Teilnehmer*innen der Konferenz rief sie zu: „Schaffen Sie eine Gesetzgebung, die Sie beschützt, Ihre Kinder und auch die nächste Generation von Künstlern. Autoren– und Urheberrechte sind Menschrechte und wenn Sie das nicht glauben, haben wir alle ein Problem“.

Nina George, Schriftstellerin und Präsidentin des European Writers Council, kam in ihrer Keynote dann zum inhaltlichen Kern der Konferenz. Sie beschrieb die europäische und weltweite Wirkung der im April beschlossenen, viel diskutierten EU-Urheberrechtsrichtlinie (DSM-Richtine): „Die Fragen zum Umgang mit geistigem Eigentum, mit Urheber*innen, mit kulturellen Leistungen haben durch die digitale Evolution ihren nationalen Rahmen längst gesprengt. Deswegen haben sich nationale, europäische und internationale Föderationen von Urheber*innen aller Branchen zusammengeschlossen, um Konsens herzustellen und mit einer Stimme zu sprechen. Wenn dieser Konsens nun jeweils national realisiert wird, wird Europa auch für Urheber*innen bpsw. in Malawi, Kanada oder den USA Bezugspunkt sein. Douglas Preston, Präsident der amerikanischen Authors‘ Guild, schrieb mir nach dem Entscheid für die DSM: ‚Europe is ahead of us in important protections for authors.’ Verwässern Sie das nicht im nationalen Kleinklein.“

Als „Meilenstein europäischer Demokratiegeschichte“ würdigte auch Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters in ihrer Keynote die DSM-Richtline. Das gesetzgeberische Update des Urheberrechts auf europäischer Ebene sei insgesamt geglückt. „Das zeigt, dass wir es nicht den IT-Konzernen überlassen, Rahmen und Regeln des demokratischen Diskurses zu setzen, sondern Rechte schützen und Pflichten durchsetzen, die für den Fortbestand einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung unverzichtbar sind.“

Weitere Diskussionsbeiträge lieferten dann vor allem Urheber*innen, Künstler*innen und Vertreter*innen der Kulturwirtschaft, darunter die vielfach ausgezeichnete Jazzmusikerin und Komponistin Pat Appleton, der Schauspieler und Vorstand des Bundesverbands Schauspiel (BFFS) Hans-Werner Meyer, die Spieleautorin Lena Falkenhagen, Bundesvorsitzende des Verbandes deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die Drehbuchautorin, Regisseurin und derzeitige Präsidentin der Federation of Screenwriters of Europe (FSE) Dr. Carolin OttoSylvia Willkomm vom Deutschen Museumsbund, die Verlegerin Dr. Susanne Schüssler sowie der Musiker und Komponist Dr. Ralf Weigand, u.a. Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA.
Hochkarätige Wissenschaftler und Fachjuristen, darunter Prof. Dr. Bernd Holznagel, Universität Münster, Prof. Dr. Karl-Nikolaus Peifer, Universität Köln oder Rechtsanwalt Ralf Bolwin sowie Dr. Robert Staats von der VG Wort und Dr. Urban Pappi von der VG Bild-Kunst erläuterten ihre Perspektiven für die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien in Hamburg, bedauerte in seinem Beitrag, dass es in der bisherigen Diskussion nicht gelungen ist, eine Balance der unterschiedliche Interessen zu finden und forderte im Rahmen der Umsetzung der DSM-Richtlinie eine intensive Diskussion der beteiligten Gruppierungen, um zu konsensualen Ergebnissen zu kommen und kontroverse Positionen zwischen Nutzer*innen, Urheber*innen und Rechteinhabern zu überwinden.

Veranstaltet wurde die Konferenz in ihrer siebten Auflage von der Initiative Urheberecht, in der sich über 35 deutsche Verbände und Gewerkschaften zusammengeschlossen haben, die die Interessen von insgesamt rund 140.000 deutschen Urheber*innen und ausübenden Künstler*innen vertreten. Ihr Sprecher Prof. Dr. Gerhard Pfennig betonte in seiner Zusammenfassung am Ende der Konferenz das Interesse der Urheber*innen und Künstler*innen, die Richtlinie im Rahmen des Umsetzungsprozesses mit Leben zu füllen. Die Urheber*innen und Künstler*innen sind sich der Tatsache bewusst, dass es verschiedene Lizenzprobleme gibt, die gelöst werden müssen. Sie suchten deshalb die Zusammenarbeit mit den bisherigen Verwerten und den neuen Vergütungsschuldnern, etwa mit den Plattformen und werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Lizenzen zu erteilen. Sie erwarten aber faire Vergütungen bzw. faire Aufteilungen zwischen den unterschiedlichen Berechtigten. Im Urhebervertragsrecht geht ihr Interesse dahin, vermehrt zu Pauschallösungen zu gelangen und auch damit Lizensierungen zu erleichtern.

Das vollständige Konferenzprogramm und Informationen zu allen Referenten finden Sie unter https://2019.konferenz-urheberrecht.de/

Pressekontakt: 
SteinbrennerMüller Kommunikation, 030 47372192, mail@steinbrennermueller.de

Auf dem Bild v.l.n.r.: Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, Angelique Kidjo, Singer-Songwriterin und Vizepräsidentin CISAC, Prof. Dr. Gerhard Pfennig, Sprecher der Initiative Urheberrecht, Prof. Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste und Nina George, Schriftstellerin und Präsidentin des European Writers Council. (c) Initiative Urheberrecht

Foto: Gerald Zöllner

Schwächung der Kreativschaffenden

18.03.2016. Der Bundesverband Schauspiel BFFS e.V. kritisiert die von der Bundesregierung im Gesetzesentwurf des Bundesjustizministeriums vorgenommenen umfangreichen Streichungen und Änderungen, die auf Druck von Sendern, Produzenten, Verlagen und anderen Werknutzern nun Eingang in den ursprünglich richtigen Gesetzesentwurf gefunden haben. Die derzeit vorgesehenen Änderungen und Streichungen sind aus Sicht der 140.000 Kreativschaffenden in Deutschland völlig inakzeptabel.

Mit den vorgenommenen Änderungen ist die Bundesregierung Lichtjahre entfernt, ihre Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einzulösen und die Stellung von Urhebern und ausübenden Künstlern endlich nachhaltig zu verbessern. Im Ergebnis führen die Streichungen zu einer deutlichen Schwächung der Kreativschaffenden.

Mit der Streichung des so wichtigen Grundsatzes, jede Nutzung bei der angemessenen Vergütung der Urheber und ausübenden Künstler zu berücksichtigen, wird dem Ausverkauf von Kreativleistungen zum Nulltarif Tür und Tor geöffnet.

Nach dem Wunsch der Bundesregierung soll auch das ursprünglich vorgesehene Recht des Kreativschaffenden, Auskunft über die Erlöse des Werknutzers aus der Verwertung seines Werkes zu erhalten, durch Ausnahmeregelungen für den Bereich der Filmwirtschaft weitgehend ausgeschlossen sein. Dies bedeutet sogar eine gravierende Verschlechterung gegenüber der Reform von 2002.

„Aus dem ursprünglichen Ziel der Bundesregierung, ein Urheber und Künstler-Stärkungsgesetz zu schaffen, ist ein Urheber und Künstler-Schwächungsgesetz geworden. Wir fordern die Bundesregierung dringend auf, zu ihrem Versprechen und ihrer Zielsetzung zurückzukehren, die Schieflage zwischen Urhebern und Künstlern auf der einen und den Verwertern auf der anderen Seite zu korrigieren und die Künstler im Sinne des ursprünglichen Entwurfes des Bundesjustizministers mit den Instrumenten auszustatten, ihre bereits seit 2002 verbrieften Rechte in der Praxis auch durchsetzen zu können. Alles andere wäre eine kulturpolitische Katastrophe“, so Thomas Schmuckert, Mitglied des Vorstands und Urheberrechtsexperte des BFFS.

Initiative Urheberrecht unterstützt Referentenentwurf des BMJV

11.12.2015. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung über den Referentenentwurf zur Novellierung des Urhebervertragsrechtes des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) kündigt die Initiative Urheberrecht heute ihre Stellungnahme an. Die Initiative, die über ihre mehr als 35 Mitgliedsorganisationen rund 140.000 UrheberInnen und ausübende KünstlerInnen vertritt, setzt sich seit 2002 für eine Reform des Urhebervertragsrechts ein.

Weiterlesen

Noch 4 Tage bis zur Urheberrechtskonferenz

26.11.2015. Günther Oettinger, Heiko Maas, Monika Grütters bei Zukunftskonferenz Urheberrecht/„Die Zukunft des Urheberrechts – 50 Jahre Urheberrecht in Deutschland“

In wenigen Tagen, am 1. und 2. Dezember 2015 wird die Akademie der Künste am Pariser Platz Mittelpunkt der aktuellen Debatte über das Urheberrecht in Deutschland und Europa. Die Initiative Urheberrecht hat angesichts des 50. Jahrestages des Inkrafttretens des Urheberrechtsgesetzes in Deutschland Akteure aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur eingeladen, um tragfähige Perspektiven für das nationale, europäische und globale Urheberecht für die nahe, aber auch mittel- und längerfristige Zukunft zu formulieren.
Weiterlesen

Zukunftskonferenz Urheberrecht

10.11.2015. „Die Zukunft des Urheberrechts – 50 Jahre Urheberrecht in Deutschland“

Am 1. und 2. Dezember 2015 veranstaltet die Initiative Urheberrecht in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin unter der Überschrift „Die Zukunft des Urheberrechts“ einen hochkarätig politisch, kreativ und wissenschaftlich besetzten Kongress zur aktuellen Debatte über das Urheberrecht.

EntscheiderInnen aus Politik, Wissenschaft und Kulturwirtschaft diskutieren mit UrheberInnen und KünstlerInnen anstehende Fragen des Urheberrechts und prüfen es 50 Jahre nach Inkrafttreten des Urheberrechtsgesetzes auf seine Aktualität und Anwendbarkeit in der modernen Informationsgesellschaft. Auch die jüngst in Angriff genommenen Gesetzgebungsvorhaben sowie die Arbeitsvorhaben von EU-Kommission und EU-Parlament sind Thema des zweitägigen Kongresses. Ziel der Konferenz ist es, in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung tragfähige Perspektiven für das nationale, europäische und globale Urheberecht für die nahe, aber auch mittel- und längerfristige Zukunft zu formulieren.

Weiterlesen