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CICAE fordert von Festivals einheitliche Regeln

Herausbringung im Kino muss Bedingung für Wettbewerbsteilnahme sein!

 

Festivals nehmen eine wichtige Rolle für Sichtbarkeit des Mediums Film ein. Sie kuratieren die Vielfalt globalen Filmschaffens. In ihren Wettbewerben bekommen kleine, bisher ungehörte Stimmen die gleiche große Bühne wie etablierte Werke von großen Namen.

 

“Die Wettbewerbe von Filmfestivals sollten ein fairer Ort für alle Arten von Film sein, ganz besonders wenn sie mit öffentlichen Geldern gefördert werden“, so Christian Bräuer, Präsident der CICAE. „Es ist schwer nachvollziehbar, warum Big Tech-Unternehmen von den gleichen Regeln freigestellt werden sollen, denen Studios, Produzent*innen und Kinos seit Jahrzehnten folgen. Ganz besonders beunruhigt es uns, dass das Filmfestival Venedig vorbehaltlos einen Streamingdienst umgarnt, dessen Ziel von seinen eigenen Partnern als ‚Weltherrschaft‘ beschrieben wird.“

 

Die besondere Stellung von Filmfestivals in der Welt bringt eine ganz eigene Verantwortung mit sich. Denn wenn es Festivals gelingt, im Programm die richtigen Impulse zu setzen, ermöglichen sie Filmen ein langes Leben und eine vielfältige Wahrnehmung weit über den Premierenabend hinaus – sie verteidigen damit auch das Filmschaffen in bedrohlichen Zeiten.

 

Die globale Filmindustrie verändert sich dramatisch. Seit einigen Jahren findet eine Konzentration von Marktmacht statt, wie es sie noch nie zuvor gegeben hat. Es liegt im Interesse von uns allen, die Vielfalt des Filmschaffens zu erhalten. Wenn wenige Großkonzerne die Art und Weise dominieren, wie Filme gemacht und gesehen werden, verlieren wir alle als Publikum. Die „Diktatur des Algorithmus“, wie Alejandro G. Iñárritu sie unlängst in einem Interview nannte, ist eine reale Gefahr für kulturelle Vielfalt.

 

Um Vielfalt für die Produktion und Rezeption von Filmen zu erhalten, müssen Festivals klare und einheitliche Regeln für große und kleine Player gleichermaßen schaffen und auf deren Einhaltung drängen.

 

„Eine dieser Regeln muss das Bestehen auf einer ordentlichen Kinoauswertung für alle Filme in Wettbewerben sein. Kino ist nicht nur aus technischen Gründen der beste Ort, um einen Film zu erleben. Das Kino ermöglicht Filmen, aus vielfältigen Perspektiven vermarktet, gesehen und diskutiert zu werden“, so Christian Bräuer.

 

Kinos sind kulturelle Herzkammern für ihr Publikum vor Ort. Sie ermöglichen es Menschen, einen Film gemeinsam zu erleben, zu besprechen und zu diskutieren. Ob ein kleiner Filmclub oder ein prestigeträchtiges Arthouse-Kino: sie geben Filmen eine in der echten Welt verwurzelte, unerreichte Form von Sichtbarkeit und machen sie allen zugänglich, unabhängig von einem Abonnementstatus. Auf Plattformen allein verschwinden Filme, die vom Algorithmus als nicht nützlich eingestuft werden, schnell von der Bildfläche.

 

Dabei geht es gar nicht darum, Streaming an sich auszuschließen. Streaming ist eine großartige Art und Weise, Filme und Serien in die eigenen vier Wände bringen, auch wenn es natürlich kein Vergleich zum gemeinsamen Kinoerlebnis bietet. „Wir freuen uns über jedes Streaming-Unternehmen, das seinen Filmen einen echten Kinostart ermöglichen will“, so Christian Bräuer. „Aber jede neue Partnerschaft muss auf den gleichen Werten basieren, wie sie die Kinos mit großen Studios sowie unabhängigen Filmschaffenden und Verleihern über Jahrzehnte aufgebaut haben.“

 

Festivals sollten zudem klare Regeln und Ziele setzen, um die Vielfalt ihres Programms zu erhöhen. Die CICAE fordert deshalb alle Filmfestivals auf, nicht nur den „50×50 by 2020 Pledge“ für Geschlechtergerechtigkeit zu unterzeichnen, sondern auch konstant zu hinterfragen, ob genug für dessen Einhaltung getan wird. Worte allein reichen nicht, wenn keine Taten folgen. Es ist beschämend, wenn Festivalsektionen mehr Filme vom gleichen Streaming-Unternehmen ins Programm aufnehmen, als von weiblichen Regisseurinnen.

 

Der Internationale Arthouse Verband CICAE ist ein gemeinnütziger Zusammenschluss von Filmtheatern, mit dem Ziel, kulturelle Vielfalt im Kino und bei Festivals zu stärken. Er wurde 1955 von den nationalen Verbänden in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz gegründet. Heute zählt er mehr als 2.000 Mitglieder und 4.000 Leinwände in 44 Ländern. Er vertritt 9 nationale und regionale Verbände, 61 Einzelkinos, 14 Fesativals und 4 außerordentliche Mitglieder.

Dr. Christian Bräuer ist Präsident der CICAE, Vorsitzender des deutschen Arthouse-Verbands AG Kino – Gilde und Geschäftsführer der Yorck Kinogruppe, die in Berlin 14 Filmkunsttheater und eine Freiluftkino betreibt.  

4. Europäischer Kinotag am 13. Oktober 2019

Die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller (u.a. TONI ERDMANN, IN DEN GÄNGEN), das belgische Regieduo Jean-Pierre und Luc Dardenne (mehrfache Gewinner der Goldenen Palme in Cannes) sowie Céline Sciamma (Bestes Drehbuch in Cannes 2019 für PORTRAIT OF A LADY ON FIRE) stehen in diesem Jahr Pate für den 4. Europäischen Kinotag, der am 13. Oktober 2019 in über 800 Kinos weltweit den europäischen Film feiert.

Eine weitere besondere Zusammenarbeit entstand mit dem ungarischen Animationsfilmer Milorad Krstic, der bereits in Locarno und bei der Berlinale zu Gast war und in diesem Jahr das Poster und den Look für die Homepage www.kinotag.eu entworfen hat.
 
Der neue Präsident des internationalen Arthouse-Verbands CICAE Christian Bräuer erklärt dazu: „Mit dem Europäischen Kinotag feiern wir die Vielfalt des europäischen Films und unserer Kinos als lokal verankerte, engagierte Kulturorte. Kinos sind die Herzkammer für Filme und geben der 7. Kunst gesellschaftliche Relevanz. Der Europäische Kinotag ist zudem ein klares Bekenntnis zu europäischen Werten und der Freiheit und Unabhängigkeit des Filmemachens.“
 
Am 13. Oktober 2019 laden die unabhängigen Kinos in über 30 Ländern zu besonderen Veranstaltungen mit Filmen zu bestimmten Themen, „Best of“-Reihen, Klassikern, Previews, Filmgesprächen, Kinorundgängen und vielem mehr ein. Inzwischen beteiligen sich auch Kinos aus den Vereinigten Staaten, Kolumbien und dem Iran am Europäischen Kinotag.
 
Alle teilnehmenden Kinos erhalten Informations-, Presse- und Marketingmaterialien und eine Filmliste mit Vorschlägen. Interessierte Arthaus-Kinos können sich unter www.kinotag.eu anmelden.

Christian Bräuer neuer CICAE-Präsident

Der internationale Arthouse-Verband CICAE hat an der Spitze einen Generationenwechsel vollzogen. Bei der Mitgliederversammlung während der 72. Filmfestspiele in Cannes wurde Christian Bräuer, Vorsitzender des deutschen Filmkunsttheaterverbands AG Kino – Gilde, zum neuen Präsidenten gewählt. Er folgt Detlef Rossmann, der nach 12 Jahren nicht wieder zur Wahl angetreten war. Detlef Rossmann wurde zum Ehrenpräsident gewählt.

„Das Kino ist die Herzkammer eines Films“

Filmkunsttheater auf der ganzen Welt stehen für kulturelle Vielfalt und bringen globale Themen ins Lokale zu den Menschen. Gerade im digitalen Zeitalter werden Kinos als reale Orte der Begegnung immer wichtiger. „Kinos sind die Herzkammer für Filme,“ so Christian Bräuer. „Auf der großen Leinwand werden Filme zum Leben erweckt und entfalten ihre gesellschaftliche Relevanz durch das gemeinsame Erlebnis.“ Um diese Rolle der Kinos zu stärken, ist die Bildung von Netzwerken wichtig. In vielen Ländern geraten Diversität und eine offene Gesellschaft zunehmend unter Druck. Die CICAE will als Solidargemeinschaft die Arbeit von Filmkunsttheatern als Kulturorte stärken.

Dem neuen Vorstand der CICAE gehören neben dem Präsidenten drei Männer und drei Frauen an:
Christian Bräuer, Präsident (Deutschland)
Francois Aymé, Vize-Präsident (Frankreich)
Domenico Dinoia, Vize-Präsident (Italien)
Mario Fortin, Vize-Präsident (Kanada)
Peggy Johnson, Vize-Präsidentin (USA)
Eva Morsch – Kihn, Generalsekretärin (Frankreich)
Renaud Laville, Schatzmeister (Frankreich)
Mira Staleva (Bulgarien)

Zur Person:
Christian Bräuer ist Geschäftsführer der Yorck Kinogruppe, die in Berlin 11 Filmkunsttheater und ein Freiluftkino betreibt. Er ist seit 2009 Vorsitzender des deutschen Filmkunstkinoverbandes AG Kino – Gilde und vertritt die Interessen der deutschen Kinos im Präsidium der Filmförderungsanstalt FFA. Dort ist er auch Vorsitzender des Ausschusses für Europa und internationale Zusammenarbeit. Dem Vorstand der CICAE gehörte er bisher als Vize-Präsident an.

VENICE FILM FESTIVAL ASKED TO SHOW CONCERN FOR ART CINEMAS

03.09.2018. The International Confederation of Art Cinemas (CICAE) is opposing the choice of the direction of the Mostra del Cinema di Venezia to present three movies belonging to Netflix in the competitions sections.

The Venice International Film Festival presents in its official line-up three movies belonging to Netflix: “Roma” by Alfonso Cuaron, “The Ballad of Buster Scruggs” by the Coen and “Sulla mia pelle” by Stefano Cucchi.

A prestigious film festival allowing in its official selection line-up titles that will not be seen on the big screen internationally encourages practices that endanger an important sector of the film industry. Cinema and television are different mediums and cinematic films are made to be seen according to high quality standards on the big screen.

Earlier this year Thierry Frémaux, director of the Cannes Film Festival set an example and took the side of art cinemas and decided to exclude films without a theatrical release in France from competition.

Art house exhibitors from across the world encourage the artistic director of the Venice International Film Festival, Alberto Barbera to reconsider the Mostra’s policies and to reserve the official selection for the works of art that will be seen in cinemas internationally. It’s time that A category film festivals defending art films bring into discussion the importance of the big screen and the media chronology, which is key to offering the best visibility for the director’s work.

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