M100 Young European Journalists Workshop

03.08 2015. „Die Ukraine ist ein interessanter Fall von scheinbarer Pressefreiheit“, schreibt Stanislav Sokolov. Die Medien seien fast frei – besonders, wenn man die heutige Situation mit der in den letzten Tagen des Regimes von Victor Janukowytch vergleiche, in denen noch sogenannte ‚Dikakturgesetze‘ verabschiedet wurden. Bei den nationalen Fernsehsendern erkennt er jedoch nur wenig Professionalität, zudem hängen sie komplett vom Willen ihrer Besitzer ab – zumeist Tycoonen mit eindeutigen politischen Zielen und unklaren Kapitalquellen.

Sokolov ist erst 23 Jahre alt, arbeitet aber bereits als leitender Nachrichtenredakteur und Kolumnist für die Website „Novoye Vremya“ (www.nv.ua) in Kiew. Außerdem ist er einer von 25 ausgewählten Nachwuchsjournalisten, die vom 12. bis 18. September am M100 Young European Journalists Workshop in Potsdam teilnehmen, zu dem jedes Jahr im Vorfeld der internationalen Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium Nachwuchsjournalisten aus Europa zu einem intensiven Fortbildungsseminar eingeladen werden.

Gefördert vom Auswärtigen Amt, beschäftigt sich der Workshop in diesem Jahr mit der Situation für Medien und Journalisten in den sechs Ländern der Östlichen Partnerschaft, mit denen die EU seit 2009 politische, wirtschaftliche und soziale Beziehungen führt, um politische Assoziation und wirtschaftliche Integration zu fördern und auszubauen: Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldawien, Ukraine und Weißrussland. Als lupenreine Demokratien kann man bis heute keines der Länder bezeichnen. Die meisten von ihnen sind autoritäre Regime, in denen demokratische Strukturen zum größten Teil Fassade sind. Entsprechend ist die Situation der Medien in diesen Ländern: die meisten sind pseudo-frei und werden im Hintergrund staatlich gelenkt.

Für Journalisten aus diesen Ländern, die sich nicht für Propaganda oder als Regierungsverlautbarer hergeben möchten, ist die Arbeit in ihren Heimatländern problematisch. Die Informationslage ist meist unübersichtlich, Propaganda von echten Nachrichten oft nicht zu unterscheiden, Ausbildungsmöglichkeiten für den Nachwuchs sind bescheiden, und die Repressionen und Bedrohungen sind hoch.
In dem fünftägigen Workshop wird den Teilnehmern vermittelt, wie Propaganda funktioniert und welche Ziele sie verfolgt, wie man sie erkennt, wie man Informationen (auch in sozialen Netzwerken) verifiziert und wie man sich als Journalist gegen Propaganda, Vereinnahmungen und Manipulationen durch Regierungen und Lobbyisten wehren kann. Auch sollen die Teilnehmer von ihren eigenen Erfahrungen erzählen, ob und welchen Bedrohungen und Einflussnahmen sie in ihrer Arbeit selbst ausgesetzt sind und wie Propaganda in ihren Ländern funktioniert und eingesetzt wird.

Die Workshops werden von dem Politikwissenschaftler, Journalisten und Ko-Direktor des Instituts für Medien- und Kommunikationswissenschaft, Dr. Leonard Novy, und dem Journalisten, Autor und preisgekrönten Filmemacher Christian Stahl geleitet.

Am 17. September nehmen die jungen Journalisten am M100 Sanssouci Colloquium teil, bei dem vor dem Hintergrund des 70. Jahrestages des Potsdamer Abkommens rund 60 europäische Chefredakteure, Historiker, Politiker und Vertreter von NGOs über den aktuellen Zustand Europas diskutieren. Den Abschluss der Konferenz bildet die Verleihung des M100 Media Award an die Redaktion der französischen Satirezeitung Charlie Hebdo, die am 7. Januar 2015 Opfer eines islamistisch motivierten Terroranschlags wurde. Am folgenden Tag sind die Nachwuchsjournalisten zu der Konferenz „Denk ich an Deutschland“ der Alfred Herrhausen Gesellschaft in Berlin eingeladen.

Kurzportraits der Teilnehmer finden Sie hier: http://www.m100potsdam.org/m100-de/jugendmedienworkshop/2015/teilnehmer.html

Weitere Informationen zum Workshop gibt es hier: http://www.m100potsdam.org/m100-de/jugendmedienworkshop/2015.html

 

M100 ist eine Initiative der Landeshauptstadt Potsdam und des Vereins Potsdam Media International e.V. Gefördert wird die diesjährige Veranstaltung von derStadt Potsdam, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, dem Auswärtigen Amt und der Bundeszentrale für Politische Bildung.

Weitere Partner: Alfred Herrhausen Gesellschaft, Allianz Kulturstiftung, Deutsche Bank, European Youth Press, Google, Land Brandenburg, Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ), Reporter ohne Grenzen, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und der VDZ. Medienpartner: AFP.

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