No fake Jews!

08.06.2018 Das Programm des 24. Jüdischen Filmfestivals Berlin & Brandenburg steht: Von starken Frauen, Ungehorsam, Trauer, Liebe und 70 Jahren Israel.Insgesamt 42 Spielfilme, Dokumentarfilme und Kurzfilme sind bei der 24. Ausgabe des Jüdischen Filmfestivals Berlin & Brandenburg (JFBB) vom 26. Juni bis 5. Juli in 13 Spielstätten unter dem Motto „No fake Jews“ zu sehen. Das Festival bietet aktuellen jüdischen und israelischen Filmen sowie Kulturveranstaltungen eine Plattform, um jüdisches Leben abzubilden, offenen, aber auch verdeckten Antisemitismus aufzudecken und an die Vergangenheit zu erinnern. Es ist das größte Forum für den jüdischen und israelischen Film in Deutschland, das älteste und bedeutendste kulturelle Event seiner Art und wesentlicher Teil des vielfältigen jüdischen Lebens in Berlin und Brandenburg.
Eröffnungsgala mit ITZHAK am 26. Juni in Potsdam
Eröffnet wird das Festival mit der Europapremiere von ITZHAK am Dienstag, den 26. Juni 2018 um 19:30 Uhr im Rahmen einer festlichen Gala im Hans Otto Theater in Potsdam. Der Dokumentarfilm ist ein Porträt über den Ausnahme-Geiger Itzhak Perlman von der New Yorker Autorin und Filmemacherin Alison Chernick, die ihren Film persönlich vorstellen wird. Unter den Gästen der Eröffnungsgala sind Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, der Berliner Senator für Finanzen Dr. Matthias Kollatz-Ahnen, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus Dr. Felix Klein, der Gesandte der Amerikanischen Botschaft Kent D. Logsdon sowie die FestivalpatInnen Caroline Peters und Volker Beck. Moderiert wird die Gala von radioeins Filmkritiker Knut Elstermann.

Festivalhighlights – 70 Jahre Israel
Das JFBB ist Fenster und zugleich Spiegel des weltweiten jüdischen Lebens. Zum 70. Jahrestag der Gründung Israels wirft das Festival einen besonders intensiven Blick auf die Filmkultur des Landes. Insgesamt 16 Produktionen aus Israel zeigen das vielfältige Land mit all seinen Widersprüchen, jenseits der alltäglichen Nachrichtenbilder und Stereotype. So läuft mit FOXTROT von Samuel Maoz, der mit dem Film 2017 in Venedig den Silbernen Löwen gewann, ein Meisterwerk, das sich nicht nur kritisch mit dem Militär auseinandersetzt, sondern auch von der Zerstörungskraft der Trauer und der Langlebigkeit von Traumata erzählt. Oder HOLY AIR vom israelisch-arabischen Regisseur Shady Srour, eine Komödie, in dem ein erfolgloser christlich-arabischer Geschäftsmann eine Marketingstrategie für ein ungewöhnliches „Produkt“ sucht – und dabei alles was heilig ist, über Bord schmeißt.

Bei der Berliner Premiere des bewegenden Dokumentarfilms KISHON über den bekanntesten Satiriker Israels sind Außenminister Heiko Maas und Ephraim Kishons Sohn Rafi und seine Enkelin Gaya Kishon zu Gast. Ephraim Kishons rund 70 Werke erschienen in 37 Sprachen und allein im deutschsprachigen Raum verkauften sich 43 Millionen seiner Bücher.

Längst ist Israel auch in der TV-Serienproduktion eines der innovativsten und erfolgreichsten Länder der Welt. Mit der 12-teiligen Serie YOUR HONOR zeigt das JFBB eine weitere Facette des Israelischen Filmschaffens. Die Serie erzählt von Richter Micah Alkoby, dessen Sohn nach einem Unfall Fahrerflucht begeht. Als er ihn der Polizei übergeben will, sieht er zufällig im Fernsehen, dass das Opfer der Sohn einer skrupellosen Gangsterfamilie ist. Die Angst um seinen Sohn und vor Vergeltung treibt Alkoby in eine Spirale von Verzweiflungstaten. YOUR HONOR gewann im vergangenen Jahr auf dem Festival Series Mania in Lille den Jury Prize. Derzeit produziert CBS ein amerikanisches Remake.

Festivalhighlights – Starke Frauen
In diesem Jahr hat das Festival eine starke Frauenpräsenz unter den Filmschaffenden: Von den 42 Filmen im Programm wurden immerhin 13 Filme von Regisseurinnen inszeniert – damit bietet das JFBB eine überdurchschnittliche Präsenz von Regisseurinnen.

Starke Frauen spielen die Hollywoodstars Rachel Weisz und Rachel McAdams in DISOBEDIENCE, dem bewegenden Drama des in Berlin lebenden, aus Chile stammenden Oscar-Regisseurs Sebastián Lelio, über die heimliche Liebe zweier Frauen in Londons jüdisch-orthodoxer Gemeinde. Der Film lief bereits beim Toronto International Film Festival 2017 und dem Tribeca Film Festival 2018 und feiert nun auf dem JFBB seine Deutschlandpremiere.

Eine außergewöhnlich starke Frau ist zweifelsohne auch die aus Essen stammende israelische Literaturprofessorin und Frauenrechtlerin Alice Shalvi, die 2007 mit dem ISRAEL-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Nach ihrem Besuch beim Festival im Jahr 2000, tritt die inzwischen 91-Jährige erneut die Reise nach Berlin an. Das JFBB zeigt aus diesem Grund den 1999 entstandenen Dokumentarfilm RITES OF PASSAGE – THE SPIRITUAL JOURNEY OF ALICE SHALVI, der einen Einblick in ihr Lebenswerk gibt.

Dass die Fähigkeiten von Frauen oft unterschätzt werden, nimmt der Dokumentarfilm GENIALE GÖTTIN – DIE GESCHICHTE VON HEDY LAMARR unter die Lupe. Denn es blieb weitgehend unbekannt, dass Hedy Lamarr gemeinsam mit ihrem Freund, dem Komponisten George Antheil, neue Technologien entwickelt hat, um die Nazis zu bekämpfen. Sie stellen die Grundlagen für WLAN und Bluetooth dar. Das Festival ehrt sie – für ihre großen schauspielerischen Leistungen – mit einer kleinen, sorgfältig ausgewählten Hommage im Filmmuseum Potsdam.

Weitere Highlights
Das Festival bietet darüber hinaus noch weitere unentdeckte Schätze des jüdischen Filmschaffens bzw. Filme mit jüdischer Thematik.
So feiert Pablo Solarz’ THE LAST SUIT seine Berliner Premiere beim JFBB. In der Nacht, bevor er ins Altersheim ziehen soll, büchst Abraham Bursztein aus, um von Argentinien aus zu seinem Freund nach Polen zu reisen, der ihm während des Zweiten Weltkrieges das Leben gerettet hat und zu dem er 70 Jahre lang keinen Kontakt hatte. Der Spielfilm um den Shoah-Überlebenden, der aus dem Fenster steigt und verschwindet, wurde beim Miami Film Festival als „Bester Film“ ausgezeichnet.

Fiona Murphy erzählt in ihrem Dokumentarfilm REMEMBER BAGHDAD, die fast unbekannte Geschichte der letzten Juden des Iraks. Die ungewöhnlichen Geschichten handeln von glücklichen Zeiten, Picknicks am Tigris oder einer jüdischen Miss Baghdad, aber auch von Verfolgung, dem Einfluss der Nazis im Mittleren Osten und der Flucht.

„Wer braucht schon Geschichte und Literatur”, fragt Milo, der im Baugewerbe tätig ist, seinen Sohn in dem Spielfilm SCAFFOLDING von Matan Yair. Milo muss sich einer Operation unterziehen und in dieser Zeit soll ihn sein Sohn Asher in der kleinen Firma ersetzen. Doch der bereitet sich auf sein Abschlussexamen vor. Rami, der Literaturlehrer Ashers unterstützt den schnell aufbrausenden jungen Mann, der sich nun zwischen Bildung und Familie entscheiden muss. SCAFFOLDING gibt der Arbeiterklasse Israels ein Gesicht und damit einer im Film selten gezeigten Seite der israelischen Gesellschaft.

Das komplette Programm und vertiefende Informationen zum Jüdischen Filmfestival Berlin & Brandenburg finden Sie auf www.jfbb.de.

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