Kunst tut not: Roma in Europa

20.08.2014. Kunst tut Not: Roma in Europa / „Akademie unter Bäumen“ in Genshagen über die Rolle von Kunst und Kultur bei der Inklusion der Roma / Internationale Experten präsentieren unter „Arbres à palabres“ künstlerisch-kulturelle Projekte aus europäischen Städten

Unter der Überschrift „Kunst tut Not: Roma in Europa“ diskutieren vom 11. bis 12. September im Schloss und Park Genshagen Experten, Kulturschaffende, Vertreter der Zivilgesellschaft und der Minderheit der Sinti und Roma aus ganz Europa über die Rolle von Kunst und Kultur für die gleichberechtigte Teilhabe und Inklusion der Roma in Europa und für den Abbau von Vorurteilen ihnen gegenüber. Wegweisende internationale künstlerisch-kulturelle Projekte präsentieren sich unter den Bäumen des Schlossparks und stellen sich unter den „Arbres à palabres“ dem Diskurs.

Die „Akademie unter Bäumen“ wird alle zwei Jahre von der Stiftung Genshagen veranstaltet, in diesem Jahr in Kooperation mit der Hildegard Lagrenne Stiftung für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland, und lehnt sich an die  „Dialogues en humanité“ an, die seit über zehn Jahren erfolgreich in Lyon veranstaltet werden und an vielen Orten dieser Welt Nachahmung finden.

11. September: Eröffnung mit Musik, Malerei und Theater

Die „Akademie unter Bäumen“ wird am Abend des 11. September mit einer Vernissage der renommierten spanischen Roma-Künstlerin Lita Cabellut, einer Lesung aus Rike Reinigers Theaterstück „Zigeuner-Boxer“ mit dem Schauspieler Folkert Dücker und der Sinti-Swing-Berlin Band von Janko Lauenberger eröffnet.

12. September: Vorträge, Diskussionen und Palaver

Am Vormittag des 12. September diskutieren internationale Experten über „Strategien zur Bekämpfung des Antiziganismus und zur Inklusion der Roma in Europa“ und über „Roma, eine politische Konstruktion?“. Als Referenten erwartet werden u.a. die ungarische Aktivistin, Journalistin, Intellektuelle und Roma Ágnes Daróczi vom Romano Instituto Alapítvány (Budapest), die sich vehement und lautstark auf EU-Ebene für die Rechte von Roma in Ungarn einsetzt, der Bielefelder Professor Klaus-Michael Bogdal für Germanistische Literaturwissenschaft, der für sein Buch „Europa erfindet die Zigeuner“ im Jahr 2013 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten hat, der französische Soziologe und Autor Olivier Peyroux vom Verein Trajectoires (Montreuil), spezialisiert auf die menschenwürdige Behandlung der Roma in Frankreich und von Minderheiten allgemein. Impulse für die späteren Diskussionen werden darüber hinaus Daniel Strauß, Geschäftsführer des Mannheimer Kulturhauses RomnoKher, das sich intensiv an der Debatte über die anhaltenden Vorurteile gegen Roma beteiligt, der Kulturwissenschaftler, Ethnologe und Publizist Prof. Dr. Werner Schiffauer von der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt/Oder) und Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a. D. und Vorstandsmitglied der Stiftung Genshagen geben.

Am Nachmittag treffen sich die Teilnehmer der Akademie unter zwei Bäumen im Schlosspark Genshagen, wo künstlerisch-kulturelle Projekte aus europäischen Städten vorgestellt und im Anschluss auf Augenhöhe diskutiert werden:

Bertrand Verfaillie vom Collectif Solidarité Roms et Gens du voyage, stellt das in Lille stattfindende Festival „Rom 3000“ vor, Karel Adam, Direktor des Divadlo Romathan präsentiert das einzige professionelle Roma-Theater der Slowakei. Ciprian Necula, Präsident der Romano ButiQ, stellt das Museum der Roma-Kultur in Bukarest und Jana
Habrovcová
, stellvertretende Direktorin, das Muzeum romské kultury in Brno, Tschechien vor. Prof. David Gaunt, Professor emeritus vom Centre for Baltic and East European Studies der Universität Södertörn in Stockholm erläutert den Aufbau eines Lehrplans für Romani an seiner Universität, Riccardo M Sahiti, Leiter des Philharmonischen Vereins der Sinti in Frankfurt/Main seine Bemühungen zur Pflege des musikalischen Erbes der Sinti und Roma. Und die Kuratorin Monika Weychert-Waluszko wird die Ausstellung zur Roma-Kunst „Houses as Silver as Tents“ in der Nationalen Kunstgalerie Zachęta in Warschau vorstellen.

Hintergrund des diesjährigen Themenschwerpunkts der „Akademie unter Bäumen“ ist das 2015 bevorstehende Ende der Dekade der EU zur Inklusion der Roma. Ziel der beteiligten Staaten (zu denen Deutschland nicht zählt) war es, ihre Bemühungen zur Bekämpfung der Diskriminierung und Ausgrenzung von Roma zu verstärken und deren Inklusion zu unterstützen.

Die „Akademie unter Bäumen“ der Stiftung Genshagen führt seit 2010 alle zwei Jahre, ähnlich wie auch die „Dialogues en humanité“, einen offenen Diskurs zu Themen der kulturellen Bildung, die als besondere gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit gelten. Die „Akademie unter Bäumen“ entfernt sich dabei bewusst vom traditionellen Konferenzformat und debattiert unter den Bäumen des Schlossparks nach den Regeln: „Freiheit der Rede“, „wohlwollende Aufmerksamkeit“, „Zuhören und Respekt“, „Gleichheit aller im transnationalen Diskurs“.

Mehr Informationen finden Sie unter www.stiftung-genshagen.de

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