IDM Südtirol vergibt rund 1.5 Mio. Euro in zweiter Förderrunde 2018

19.06. 2018. In der zweiten von drei Förderrunden im Jahr vergab die Südtiroler Filmförderung an insgesamt 12 Projekte ein Gesamtfördervolumen in Höhe von 1.483.700,00 Euro. In dieser Runde erhalten sieben italienische Projekte, fünf davon aus Südtirol, drei weitere aus Deutschland sowie zwei aus Österreich Förderung. Die mit Projektförderung unterstützten Projekte generieren insgesamt 115 Drehtage in der Region.

Mit 650.000 Euro, der höchsten Einzelförderung dieses Calls, fördert IDM das Regie-Debut „Disco“ der gebürtigen Südtirolerin Evi Romen, die bereits als Drehbuchautorin reüssierte und für das Treatment zu „Disco“ den renommierten Carl Mayer-Drehbuchpreis 2017 erhielt. Produziert wird der Film vom erfolgreichen Wiener Produktionsunternehmen Amour Fou, das u.a. bereits als Koproduzent von „Der Mann aus dem Eis“ in Südtirol tätig war. „Disco“ erhielt bereits Produktionsvorbereitungsförderung von IDM. Voraussichtlicher Drehbeginn in Südtirol ist Februar 2019, 17 von insgesamt 27 Drehtagen werden in Bozen, Lajen, Unsere Liebe Frau im Walde, Tisens, Waidbruck, Vöran, Ritten, Valcastello und Katharinaberg realisiert. Evi Romen behandelt in ihrem vielschichtigen Film und in der Geschichte um die beiden Freunde Lenz und Mario gesellschaftliche Themen wie soziale Ungleichheit, Homosexualität, Religion, Rassismus und Terror.

Oscar-Regisseur Stefan Ruzowitzky (Oscar für „Die Fälscher“ als bester fremdsprachiger Film 2008) kommt mit seinem neuesten Projekt „Narziss und Goldmund“, für das er nach Hermann Hesses gleichnamiger Erzählung auch das Drehbuch geschrieben hat, erstmalig nach Südtirol. Anfang 2019 findet der Südtiroler Dreh in Sulden statt. Im Cast voraussichtlich die Jungstars Jannis Niewöhner, Sabin Tambrea, Emilia Schüle und Henriette Confurius.
Zum Inhalt: Narziss ist Lehrer in einem Kloster im mittelalterlichen Deutschland und Goldmund sein Lieblingsschüler. Zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren entwickelt sich eine unerwartete und außergewöhnliche Freundschaft. Gutaussehend, weise und zurückhaltend, entscheidet sich Narziss dafür, sich von der Welt zu lösen und sich Gebet und Meditation zuzuwenden. Der leidenschaftliche, sensible und impulsive Goldmund entscheidet sich für einen anderen Weg: Er verlässt das Kloster, um ein pikareskes Wanderleben zu führen, dessen amouröse und künstlerische Abenteuer ihn beide Extreme – Ekstase und Schmerz – spüren lassen. Viele Jahre vergehen, bis sich die Freunde in einem hochdramatischen Moment wiedersehen. Die Südtiroler Filmförderung unterstützt die historische Romanverfilmung der Narziss und Goldmund Herstellungs GmbH, München mit 150.000 Euro.

Bereits im Oktober dieses Jahres soll im Etschtal und im Naturpark Trudner Horn die Klappe zur ungewöhnlichen Tragikomödie „L´Uomo senza Gravita“ fallen. Das Projekt des aufstrebenden italienischen Regisseurs Marco Bonfanti wird mit 80.000 Euro gefördert. Ihm ist es gelungen, mit Elio Germano und Michela Cescon ein in Italien bekannter Cast zusammenzustellen. Service-Produktion in Südtirol ist Gustav Hofers HiQ-Productions. Der Film erzählt die Geschichte von Oscar, der, als er geboren wurde, einfach wie ein Ballon davon schwebte. Keiner weiß, ob es ein Wunder oder nur eine Laune der Natur ist, dass die Gravitation bei ihm nicht wirkt. Die Mutter und Großmutter verstecken viele Jahre das Kind vor den Augen der Welt. Doch das Wunder kann nicht für immer verborgen bleiben und Oscar selbst entscheidet sich dafür, sich zu zeigen. Er löst damit weltweit große Aufregung und Neugierde aus. Jeder will ihn sehen, interviewen, untersuchen und allzu oft auch ausbeuten. Oscar wird ein internationaler Star, empfindet sein Dasein jedoch als Strafe, denn er will nur wie jeder andere sein: normal. Er sehnt sich nach Freunden und vor allem nach der echten Liebe. So macht er sich auf die Suche nach einer Frau…

O´Lugre“ soll noch diesen Sommer in Portugal und Südtirol entstehen. Nach den Dreharbeiten wird die Produktion nach Südtirol zurückkehren, um die gesamte Postproduktion des Kinospielfilms, der auch als Serienpilot dienen wird, dort zu realisieren. IDM fördert die Produktion der Berliner Lightburst Pictures für die Artur Ribeiro das Buch geschrieben hat und Regie führen wird mit 180.000 Euro. Der Film über Albino, einem hochangesehenen Fischer und Miguel, einem jungen Waisen, der zu ihm aufschaut, und deren Beziehung auf dem Fischerboot als verdächtig homosexuell betrachtet wird, ist der Pilotfilm eines 10-teilgen Serienkonzepts.

Reinhold Messner neuestes Dokumentarfilmprojekt will in „Mord am Unmöglichen“ die Entwicklung des Bergsteigens aufzeigen. Der heutige Entwicklungsstand, der „Pisten Alpinismus“, wie Messner ihn nennt, wird im Film durch das „Touristenziel“ Mount Everest sowie den Hype um die Klettersteige in den Dolomiten symbolisiert. Inzwischen ist Bergesteigen ein globales Phänomen und zugänglich für Millionen von Menschen. Dennoch: so wie vor 250 Jahren, als das traditionelle Bergsteigen begann, ist es auch heute noch mit großen Gefahren und zahllosen Abenteuern verbunden. Reinhold Messner erklärt, wie die faszinierende Konfrontation mit den Bergen in Form von Sport, Tourismus und dem ultimativen Selbsttest sich in viele Disziplinen aufgespalten hat und so zur nächsten Generation weitergetragen wird. Messner dreht für dieses Projekt fast ausschließlich in Südtirol, dort allerdings an einer Vielzahl von Drehorten von der Kletterhalle in Bozen bis zur Südwand der Marmolada. IDM fördert das Projekt mit 150.000 Euro.

Der international renommierte deutsche Filmemacher und Oscar-Preisträger Pepe Danquart („Schwarzfahrer“) begibt sich für seinen aktuellen Dokumentarfilm „Vor mir der Süden“ auf die Spuren Pier Paolo Pasolinis. Inspiriert von Pasolinis Reise in einem Fiat Millecento im Jahr 1959 durch Italien macht sich Danquart auf den Weg. Dabei erhält er tiefe Einsichten in die soziale Realität des modernen Italiens, beeinflusst und konfrontiert mit Phänomenen wie dem Massentourismus oder der Migration von vor allem Afrikanern, die nach einer beschwerlichen Reise über das Mittelmeer Italiens Küsten erreichen. Pepe Danquart wird für „Vor mir der Süden“ auch in Brixen und Bozen drehen und von IDM mit 65.000 Euro unterstützt. Produzent ist die Bittersuess Pictures ausBerlin, die Bozner Albolina Film ist Koproduzentin.

Der in Südtirol lebende und ZeLIG-Absolvent Stefano Lisci widmet sich in seinem neuesten Projekt nach „Bar Mario“ einem sozial relevanten Thema, nämlich dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Down Syndrom. Seine von der Bozner Cooperativa 19 produzierte Dokumentation „Luca+Silvana“ entsteht fast ausschließlich in Südtirol, 19 von 25 Tage dreht die Produktion in der Region, der Großteil der wichtigsten Positionen des Kreativ-Teams wird mit Südtirolern besetzt. Zum Inhalt: Luca und Silvana gehen seit acht Jahren miteinander aus: Pizza mit Freunden, Kino am Sonntag oder Urlaube am Strand. Und wie viele Liebende möchten sie heiraten und den Rest ihres Lebens miteinander verbringen. Als Lucas Eltern starben, wurde Luca, der wie Silvana das Down Syndrom hat, in die Obhut von Sozialeinrichtungen gegeben. Wegen rechtlicher Probleme bezüglich seines Erbes wurde die Hochzeit immer wieder verschoben. Während das Paar auf eine Lösung wartet, beschließt es, Silvanas Vater zu besuchen: Als rechtschaffener Sizilianer möchte Luca bei ihm um die Hand seiner Tochter anhalten. Silvana dagegen möchte die schwierige Beziehung zu ihrem Vater wieder kitten… IDM fördert das Projekt mit 57.000 Euro. Drehstart ist bereits im Juni 2018.

Mit 55.000 Euro unterstützt IDM Birgit Sabine Sommers Dokumentation „Südtirol 1919-2019: Zwei Volksgruppen, eine Geschichte – ein Modell für Europa?“. Sie greift darin ein historisch und gesellschaftlich ausgesprochen relevantes und nach wie vor aktuelles Thema für Südtirol auf und setzt es in eine moderne Perspektive. In Südtirol ist es gelungen, dass Menschen mit drei verschiedenen Sprachen und trotz unterschiedlicher historischer und politischer Prägungen friedlich miteinander leben. Der Film möchte zum tieferen gegenseitigen Verständnis beitragen und den europäischen Geist widerspiegeln. Denn die Südtiroler autonome Verwaltung und das in ihr angelegte Modell des Schutzes von Minderheiten werden auf der ganzen Welt hochgeschätzt. Ab Oktober 2018 starten die 25-tägigen Dreharbeiten der Wiener Langbein & Partner Media in u.a. Neumarkt, Branzoll, Leifers, Tramin, Bozner Unterland, Bozen und Meran.

Das neue Projekt des gebürtigen Südtirolers Hannes Lang „Riafn“ erhielt bereits Förderung für die Vorbereitung der Produktionvon IDM. Nun unterstützt IDM auch die Produktion mit 29.700 Euro. Die Dokumentation ist das Folgeprojekt des erfolgreichen Dokumentarfilms „I want to see the manager“. Hannes Lang unternimmt in „Riafn!“ eine cineastische Reise in die Klanglandschaft der Alpen, in deren Verlauf er Idiome, Lieder, Rufe und Befehle von Bauern und Schäfern sammelt. An 14 von insgesamt 50 Tagen dreht er ab Juli 2018 dafür auch in Südtirol, genauer im Schlerngebiet, Vinschgau und Passeiertal. Der Film wird produziert von der Kölner Petrolio Film.

Und schließlich erhält „The Man with the answers“, realisiert von der römischen 9.99 Films, Produktionsförderung. Mit 12.000 Euro unterstützt die Südtiroler Filmförderung die internationale Koproduktion zwischen Italien, Griechenland und Zypern für die Stelios Kammitsis das Buch schrieb und Regie führen wird. Die Coming of Age Komödie erzählt von Victor, ein charmanter junger Mann Mitte Zwanzig, der in Patras lebt, und als ehemaliger Tauch-Champion inzwischen in einer Möbelfabrik arbeitet, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit einer ungelösten Familiengeschichte, Sehnsucht nach seinen ehemals erfolgreichen Zeiten und ohne jegliche Inspiration um ihn herum, bringt der Tod seiner Großmutter eine plötzliche Wendung in sein Leben. Während der Vorbereitung zu ihrer Beerdigung, erhält Victor eine Einladung seiner Mutter in Hamburg. Kurzentschlossen nimmt er den alten Wagen seiner Oma und fährt los. Unterwegs trifft er Matthias, einen gutaussehenden deutschen Abenteurer auf dem Heimweg. Die zwei beginnen einen Roadtrip von Ancona nach Hamburg. Die Dreharbeiten führen das Team auch auf das Stilfser Joch, nach Kastelruth und nach Sterzing.

In der zweiten Förderrunde 2018 erhalten auch zwei Projekte Produktionsvorbereitungsförderung von IDM.
So fördert IDM mit 30.000 Euro die Bozner Produktionsfirma Albolina Film bei der Entwicklung des satirischen Thrillers „Reanimo“, die sich erneut – und ganz anders – mit einer der berühmtesten historischen Persönlichkeiten aus Südtirol auseinandersetzt. Es geht in der Serienidee um einen Pathologen und Mumienkonservator, der aus Liebe den über 5.000 Jahre alten Eismann (Ötzi) stiehlt, um ihn mit Hilfe seines Freundes Dimitri, einem früheren russischen Spion und Molekularbiologen, der den Korpus Lenins konserviert hat, wieder zum Leben erweckt…Das Drehbuch nach der gleichnamigen Romanvorlage des Südtirolers Gernot Werner Gruberschreiben Monica Simon und Erich Hörtnagl, der auch Regie führen wird.

IDM unterstützt außerdem mit 25.000 Euro die Entwicklung des Dokumentarfilms „Der Raketenmann Max Valier – Der Traum vom Weltall“, die der Südtiroler Regisseur Thomas Hanifle zur Zeit gemeinsam mit der Meraner Produktionsfirma Ammira Film unternimmt. Das Dokumentarfilmprojekt soll den gebürtigen Bozner Weltraumpionier Max Valier dem Vergessen entreißen.Mit Fritz von Opel und der Ölfirma Shell schuf Valier seinerzeit mit aufsehenerregenden Raketentests und Experimenten eine internationale Sensation. Der Wagemut des Forschers, der ab 1920 in München lebte, sollte auch sein früher Niedergang sein: Er starb mit gerade 35 Jahren während eines Experiments, mit dem er vermutlich das erste Opfer der Weltraumforschung wurde. Im Jahr 2020 wäre Valier 125 Jahre geworden.

Die Einreichfrist für die nächste und letzte Förderrunde 2018 endet am 19. September (Entscheidung bis 6. November).

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