Demokratie oder Despotie?

29.06.2017. Am 14. September diskutieren über 70 internationale Chefredakteure, Historiker und Politiker beim M100 Sanssouci Colloquium in Potsdam über die Gegenwart und Zukunft Europas und die Rolle der Medien.

Für den amerikanischen Wirtschafts- und Politikprofessor Jason Brennan sind Wähler „eher mit Sportfans zu vergleichen, die ihre Flaggen schwenken. Mehr Beteiligung von ihnen zu fordern, ist, als ob man von betrunkenen Menschen fordert, Auto zu fahren.“ Brennan, der an der Georgetown University in Washington, D.C. lehrt, hat  gerade mit seinem kürzlich auf Deutsch erschienenem Buch „Gegen Demokratie“ für viel Gesprächsstoff gesorgt. Er fordert darin nichts weniger als eine Epistokratie, in der nur politisch interessierte und gebildete Leute wählen gehen dürfen.

Brennan ist einer von rund 70 hochrangigen Teilnehmern aus 21 Ländern, die am 14. September beim Potsdamer M100 Sanssouci Colloquium in der Orangerie von Sanssouci unter dem Titel „Demokratie oder Despotie? Die Renaissance der dunklen Mächte“ die aktuelle politische Situation in Europa beleuchten. Die Chefredakteure, Publizisten, Historiker und Vertreter aus politischen und gesellschaftlichen Institutionen diskutieren in drei Sessions über Visionen und Strategien in einer internationalen Ordnung unter neuen Vorzeichen sowie über die Krise der Demokratie und der Medien angesichts sich rasant verändernder Rahmenbedingungen.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs: „Vor 332 Jahren wurde das ,Edikt von Potsdam‘ ins Leben gerufen. Die Landeshauptstadt steht also seit Jahrhunderten für Toleranz, den Freiheitsgedanken und die Demokratie. Daher passt das diesjährige Motto des M100 Sanssouci Colloquiums perfekt. Potsdam ist zudem ein wichtiger Medienstandort vor den Toren Berlins, an dem seit 2005 bei M100 die wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen im Kontext zu Europa und der Rolle der Medien diskutiert und verhandelt werden. Es ist eine einzigartige Konferenz, auf die Potsdam sehr stolz sein kann.“

Zu den diesjährigen Teilnehmern zählt auch der bekannte russische Schriftsteller Viktor Jerofejew, der aus ganz anderer Perspektive seine Sicht auf die Frage nach gescheiterten Demokratien erörtern wird. Der deutsche Historiker Prof. Dr. Andreas Rödder wird seine Visionen eines neuen Europas darlegen und Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur Digitale Medien der Frankfurter Allgemeine Zeitung, spricht über die Krise des Journalismus auf beiden Seiten des Atlantiks sowie Verantwortung und  Herausforderungen für die Medien im Zeitalter von Propaganda, Fake News und Social Media.

Zugesagt haben außerdem u.a. Andrei Aliaksandrau (Herausgeber Belarus Journal, Minsk),  Jamie Angus (Chefredakteur BBC Global News, London), Erik Bjerager (Chefredakteur Kristelight Dagbald, Kopenhagen), Klaus Brinkbäumer (Chefredakteur Der Spiegel, Hamburg), Stephan-Andreas Casdorff (Chefredakteur Der Tagesspiegel, Berlin), Ulrich Deppendorf (ehem. Leiter des ARD Hauptstadtstudios, Berlin), Can Dündar (Chefredakteur Özgürüz, Berlin), Andrej Dynko (Chefredakteur Nasha Niva, Belarus), Dr. Tobias Endler (Heidelberg Center for American Studies), Dr. Alexandra Föderl-Schmid (Chefredakteurin Der Standard, Wien), Monika Garbačiauskaitė-Budrienė (Chefredakteurin Delfi.lt, Vilnius), Sven Gösmann (Chefredakteur dpa, Berlin), Prof. Dr. Ulrike Guérot (Gründerin und Direktorin European Democracy Lab, Berlin), Ulrik Haagerup (Gründer und CEO Constructive Institute, Aarhus), Lauri Hussar (Chefredakteur Postimees, Tallinn), Tanit Koch (Chefredakteurin BILD, Berlin), Martin Kotthaus (Leiter Europaabteilung  Auswärtiges Amt, Berlin), Peter Limbourg (Intendant DW, Berlin), Sonia Mikich (Chefredakteurin WDR, Köln), Emin Milli (Gründer und Direktor Meydan TV, Berlin), Arkady Ostrovsky (Russland- und Osteuropa-Korrespondent The Economist, London), Bruno Patino (Direktor Fernsehen ARTE France TV, Paris), Dániel Pàl Rényi (Journalist 444.hu, Ungarn), Dr. Christian Rainer (Chefredakteur Profil, Wien), Sergij Sydorenko (Chefredakteur European Pravda, Kiew), Maria Stepanova (Chefredakteurin Colta.ru, Moskau), Dr. Sylke Tempel (Chefredakteurin Internationale Politik/Berlin Policy Journal, Berlin) und Dr. Uwe Vorkötter (Chefredakteur Horizont-Gruppe, Frankfurt/Main).

Eine Übersicht über alle bisher zugesagten Teilnehmer finden Sie hier.

Im Anschluss an die Debatte findet die feierliche Vergabe des M100 Media Award statt. Bisherige Preisträger sind u.a. Lord Norman FosterDr. Bernard KouchnerBob GeldofIngrid BetancourtHans-Dietrich GenscherKurt WestergaardDr. Vitali Klitschko, die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo und der italienische Schriftsteller Roberto Saviano.

Der diesjährige Preisträger wird zeitnah bekannt gegeben.

Weitere Informationen: www.m100potsdam.org

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